10.5.2022

Wie kann ich das Spotify Modell in meinem Unternehmen zum Fliegen bringen?

Raphael Hackmann
Business Development Manager

Zugegeben, das Spotify Modell hat großen Charme und Strahlkraft: verspricht es doch, agiles Arbeiten von der (verstreuten) Teamebene auf die Gesamtorganisationsebene zu hieven und so unternehmensweit umsetzbar und handhabbar zu machen. Allerdings merken viele Unternehmen in der Umsetzung, dass die Einführung einer Tribestruktur sehr aufwändig ist und das permanente Am-lodern-haltender „Motivations- und Engagement-Flamme“ einiges an Ressourcen und Aufwand verursacht.

[#anchor1] Spotify Modell: Was ist das genau? [#anchor1]

Das Spotify Modell (nach der Umsetzung beim Streaming Dienstleister Spotify benannt) besteht aus Squads, Tribes, Chaptersund Guilds.

Die Squads bilden die Basis und repräsentieren ein agiles, sich selbst steuerndes Team – vergleichbar mit einem Scrum Team. Sie haben jeweils einen Product Owner (PO) und können sich bei Bedarf Unterstützung bei einem agile Coach holen. Eine Gruppe von Squads, die an einem gemeinsamen Produkt oder Dienstleistung arbeiten, bilden einen Tribe. Damit der Austausch innerhalb des Tribes gewährleistet werden kann – z.B. bei Abhängigkeiten im Entwicklungsprozess zwischen den Squads -  sollte dieser nicht mehr als 100 Personen umfassen. Da alle Mitarbeiter:innen mit ähnlicher Expertise auf die unterschiedlichen Squads verteilt arbeiten, gibt es die Chapters, in denen sie sich fachlich austauschen können und so sicherstellen, dass das Rad nicht mehrfach neu erfunden wird. Wichtig ist, dass es eine:n Chapter-Lead gibt, der die gemeinsame Entwicklung treibt und begleitet und gewissermaßen eine disziplinarische Führungsfunktion inne hat. In der Guild finden sich schließlich orga-weit alle Mitarbeiter:innen mit gleichem Fachwissen und/oder Interessen zusammen.

Empfehlung: Nur wenn eine Organisation schon länger und erfolgreich mit sich selbststeuernden, agilen Teams arbeitet, kann man als Kür über das Spotify Modell nachdenken. Der Squad-Gedanke muss quasi schon in der Organisations-DNA stecken, damit eine Einführung klappen kann, Erfolge skalierbar werden und zügig die Früchte geerntet werden können!

[#anchor2] Spotify Modell: Organisation und Rollen [#anchor2]

Die Keimzelle ist das einzelne Scrum Team – welches im Spotify Modell zum Squad wird. Ähnlich wie bei einer Matrix-Organisation (nur dass die Keimzelle an sich ja schon interdisziplinär ist und somit einer völlig anderen Logik folgt als herkömmlichen Organisationsstrukturen), ranken sich dann Tribes, Chapters und Guilds mit ihren spezifischen Rollen (s.o.) drum herum. Aber hier hören die Ähnlichkeiten dann auch schon auf. Die Spotify Organisation ist in der Vertikalen – also dort, wo Mitarbeiter:innen tatsächlich eng zusammenarbeiten - auf Selbstorganisation und Ergebnis ausgerichtet. In der Horizontalen liegt der Fokus auf Wissens- und Methodenaustausch, gemeinsamen Lernen und Wachsen. Somit ist die Aufgabe und Rolle des Product Owners die des Machers und Unternehmers und die des Chapter Leads des „Professors“ oder Kompetenz Leaders. Die Organisation braucht beide Rollen – und eine gewisse Spannung zwischen den beiden – damit sich ein Gleichgewicht bilden und somit die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens gesichert werden kann! Und HR sollte diese organisationale Transformation aktiv treiben und unterstützen.

[#anchor3] Spotify Modell: Vor- und Nachteile[#anchor3]

Vorteile:

  • Mitarbeiter:innen mit unterschiedlichem Fachwissen arbeiten selbstständig und agil in einem Team zusammen
  • Teams haben ein agiles Mindset und leben unterstützende Rituale (Dailys, Sprints, Retros etc.) und haben somit das Zeug zu high performing Teams
  • Squads haben die Qualität von „Mini-Start-ups“
  • Chapters und Guilds bilden den „Kitt“, der die Organisation zusammenhält. Und ermöglichen Austausch und Entwicklung.

Nachteile:

  • Hohe Erstinvestitionen in die Qualifizierung der notwendigen Rollen (PO, agile Coaches, Chapter Leads etc.)
  • Der Fokus auf Squad-übergreifenden Austausch auf unterschiedlichen Ebenen (Tribe, Chapter und Guild) darf nicht nachlassen und muss aktiv getrieben werden.
  • Alignment ist bei aller Autonomität wichtig und kann nur durch einen engagierten PO sichergestellt werden

Quelle: Henrik Kniberg

Die Einführung und Begleitung fordert eine erfahrene, agile und engagierte HR-/Organisationsentwicklungs-Abteilung.

[#anchor4] Spotify Health Check[#anchor4]

Jetzt kommt die Gretchen-Frage: Wie weiß ich als Organisation, CEO, HR o.ä. ob mein Organisationsmodell funktioniert? Wie geht es den Teams? Brauen sich irgendwo Probleme oder Herausforderungen zusammen? Dafür gibt es den Spotify Health Check. Diesen können Teams nutzen, um den Status Quo ihrer Leistung und Zusammenarbeit einzuschätzen. Vergleichbar mit einer Retro beim Arbeiten nach Scrum. Enorm wichtig! Konkret blickt hierbei das Team in einem Workshop mittels 11 Faktoren auf ihre Zusammenarbeit zurück. Mit Hilfe eines Ampelsystems sowie absehbaren Tendenzen (Pfeile) bekommt das Team einen Überblick über den momentanen Status:

Quelle: Squad Health Check model

Leider hat der Health Check jedoch einige Unzulänglichkeiten: Der Faktorenkatalog ist sehr stark auf Entwickler-Teams ausgelegt (z.B. Health of Codebase) und ist somit nicht auf alle Teams anwendbar. Und da der Check ein Fragenkatalog ist und kein echtes Tool, ist es schwierig, eine Historie aufzubauen und im Blick zu halten – es ist immer eine individuelle Momentaufnahme und erlaubt kein Monitoring über Squads, Tribes und Zeit hinweg. Und dann ist der Check eben das, was er verspricht: ein Check – die Interpretation und daraus abzuleitende Maßnahmen obliegen den Beteiligten.

[#anchor5] Spotify Modell weiterentwickeln – mit Teampact[#anchor5]

Eine mögliche – und aus unserer Sicht sehr sinnvolle – Weiterentwicklung und Ergänzung des Spotify Modells ist unsere Teampact Software. Mit ihr kannst Du die Unzulänglichkeiten des Spotify Modells auffangen und die laufende Transformation langfristig in der Organisation verankern. Das Spotify Modell liefert somit den organisatorischen Rahmen, Teampact unterstützt dich bei der Steuerung und Ausgestaltung.

Das genau bringt Dir Teampact in Verbindung mit dem Spotify Modell:  

  • Du arbeitest mit einer Software mit all deren Vorteilen (Reminder und Push-Funktionen, Datenspeicherung, Historie, automatisierte Prozesse, alles auf einer Plattform) auf die alle im Unternehmen Zugriff haben.
  • So entsteht Transparenz und Vergleichbarkeit innerhalb der unterschiedlichen Ebenen und ermöglicht das Ausrollen auf die gesamte Organisation.
  • Teampact sieht eine Unterteilung in Teams, Tribes etc. vor und Ansichtsrechte können individuell konfiguriert werden.
  • Teampact arbeitet mit 12 Erfolgsfaktoren, die für alle Arten von Teams wissenschaftlich validiert sind.
  • Es lässt sich leicht in Routinen (Retros) einsetzen, ist nutzerfreundlich und sorgt für Kontinuität.
  • Teampact fungiert als digitaler Coach (zeigt Entwicklungschancen - und maßnahmen für das Team auf).

Softwarelösung Haufe Teampact

Fazit

Wer ein neues Organisationsmodell einführt, steht immer vor dem Problem, zeitnah und genau evaluieren zu wollen, wie gut diese Transformation gelingt. Mit Teampact hast Du eine tolle Möglichkeit, genau das zu tun. Teampact hebt Dein Spotify Modell auf den nächsten Level - und ganz nebenbei hilft es den einzelnen Teams bei ihrer täglichen Arbeit und macht Spaß!


Raphael Hackmann
Raphael Hackmann ist als Business Development Manager bei der Haufe-umantis AG für die Produkte im Bereich New Work tätig. In seiner Rolle unterstützt er Unternehmen in der DACH-Region Ihren Weg in den Themen New Work und Selbstorganisation zu finden, damit diese sich den komplexen Herausforderungen der Zukunft stellen können. Dabei steht die Wirksamkeit von zufriedenen Teams und deren Resilienz im Vordergrund. Seine langjährige Erfahrung in der Personalberatung, im Aufbau neuer Standorte sowie seine Leidenschaft und sein KnowHow für das Arbeiten in der Zukunft bilden die Grundlage seiner Arbeit.